Fanseite City-Tunnel Leipzig
erstellt von Frank Eritt
Freitag, 23.06.2017
 

City-Tunnel Leipzig - Untergrund

 

Auch der Leipziger Untergrund hält für die Tunnelbauer Überraschungen parat.

Ingenieurgeologie

Der Leipziger Untergrund besteht unter anderem aus Geschiebemergel, Muschelschluff, Elsterschotter, Sand und silifizierte Tertiärquarziten. Besondere Herausforderung wird die Durchfahrung von Sandsteinmonolithen (Bild) sein, die eine Druckfestigkeit von bis zu 250 N/mm² aufweisen. Es werden auch fossile Baumstämme in den Flussschotterschichten vermutet.
Am Verpessschacht in der Schloßgasse, der ausgehoben wurde, sind die ersten Sandsteinmonolithe aufgetaucht. (Bild)

Sandsteinmonolithe

künstliche Hindernisse beim Tunnelbau

Als künstliche Hindernisse beim Bau sind Litzenanker (1) bekannt, die im Bereich vom Petersbogen liegen (Bild oben). Diese werden aufwendig aus der Tiefgarage des Petersbogens heraus zurück gebaut. Im Bereich des Karstadt-Kaufhauses wurde die Tunneltrasse freigelassen und extra überbaut (Bild unten). Die Lasten (2) aus dem Karstadt Kaufhaus werden über zwei extra dafür hergestellte Schlitzwände neben dem Tunnel in das Erdreich abgeleitet (Bild unten). Somit ist dieses frei von Setzungen.

Weiterhin existiert eine Bohrpfahlwand (3) mit einem Durchmesser vom 88cm im Bereich des Marriott Hotels, die zurückgebaut werden muss. Dort erfolgt ebenfalls der Ausbau durch einen bergmännisch erstellten Bergestollen. Er besteht aus 3 Stollen und 2 Kavernen. Er wird mit Stickstoff vereist und die Bohrpfahlwand zurückgebaut. Anschließend wird der Bergestollen verdämmt.
Bauverlauf Bergestollen siehe Abschnitt 3 Tunnelbau Weströhre
Informationen dazu auf der Seite der ARGE CTL LOS B

Petersbogen Karstadt
Petersbogen Karstadt

Ingenieurhydrologie

Ein weiteres Problem ist das anstehende und fließende Grundwasser (Bild). Es bewegt sich in Tiefen von 105m - 111m über NN von Südosten nach Nordwesten und kreuzt somit die Tunneltrasse. Das Grundwasser fließt in mehreren Schichten übereinander, hauptsächlich durch pleistozäne Flussschotterterrassen und tertiäre Sande. Die kf Werte (4) liegen z.B. am Markt zwischen 2,5 x 10-8 m/s und 2,0 x 10-2 m/s. Das Tunnelbauwerk stellt somit ein Strömungshindernis dar und würde einen Aufstau des Grundwassers von 0,15 - 0,60m zur Folge haben. Es werden deshalb Ausgleichsmaßnahmen zur Grundwasserkommunikation erforderlich und umgesetzt.

Grundwasser City-Tunnel

An den Haltepunkten Markt und Wilhelm-Leuschner-Platz wird deshalb auf der Anstromseite Grundwasser entnommen, unter dem Tunnel gedükert (5) und auf der Abstromseite wieder versickert. Die Brunnenrohre haben einen Durchmesser von 125 - 250mm. Von diesen werden fächerförmig bis zu 100m lange Edelstahl-Wickeldraht-Filterrohre in den Grundwasserleiter eingebaut. Der Wassertransport erfolgt ohne Pumpen durch den Aufstau von maximal 10cm und durch das Grundwassergefälle.

Grundwasser City-Tunnel
Rohbau GWK-Schacht GWK-Schacht GWK-Schacht - Filterrohr Filterrohr
Rohbau GWK-Schacht GWK-Schacht Filterrohr Filterrohr
Bohrrung Filterrohre   GWK-Schacht Abdeckung GWK-Schacht
Bohrrung Filterrohre   GWK-Schacht Abdeckung GWK-Schacht

Erläuterungen zum Text:
1) Litzenanker: Anker aus Stahldrähten, die mit Zementmörtel im Boden rückverankert werden, um die Wand der Baugrube zu halten.
2) Eigengewicht des Bauwerkes
3) Bohrpfahlwand: gebohrte Erdlöcher, die mit Beton verfüllt werden
4) kf Werte: Fließgeschwindigkeit des Wassers im Boden in m/s, auch Durchlässigkeitsbeiwert genannt. (Infos dazu hier)
5) gedükert: Unterquerung von Bauwerken oder Flussläufen mittels Rohrleitungen ohne Pumpen.
6) Bodenentzug: Nachsacken des Bodens nach Tunnelarbeiten oder Bergbauarbeiten

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Bilder und Text Frank Eritt - letzte Änderung 19.07.2015 - 12:07